Freitag, 27. Mai 2011

Norwegen: Immobilienblase und Abhängigkeit vom Ölpreis

Der norwegische Immobilienmarkt war einer der weltweit stärksten Immobilienmärkte in den letzten Jahren. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Preise für Wohnimmobilien im Durchschnitt mehr als verdoppelt und seit 1992 sogar mehr als vervierfacht. Die Inflation ist dagegen relativ niedrig geblieben. Seit Anfang 2000 stiegen die Verbraucherpreise in Norwegen insgesamt um gerade einmal 26 Prozent.
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Datenquelle: Statistics Norway; Grafik: Guido Lingnau
Zwar sind auch die durchschnittlichen Einkommen in Norwegen in den letzten Jahren deutlich gestiegen (Median der Einkommen nach Steuern von 2000 – 2008: Anstieg um jährlich 6,6 Prozent, Zahlen bis 2008 verfügbar), der Anstieg der Immobilienpreise lag jedoch mit mehr als 15 Prozent jährlich in diesem Zeitraum noch deutlich darüber. Somit stieg auch die Verschuldung der norwegischen Haushalte stark an.
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Datenquelle: Statistics Norway, Grafik: Guido Lingnau

Für Norwegen lassen sich volkswirtschaftliche Besonderheiten feststellen. Norwegen ist ein sehr reiches Land, das sehr stark von seinem Reichtum an Erdöl und Erdgas profitiert hat und aus dieser Quelle ein hohes Staats- und Volksvermögen bilden konnte. Daraus entstand aber auch eine hohe Abhängigkeit vom Ölpreis. So hatte Norwegen eine mehrere Jahre andauernde Wirtschafts- und Bankenkrise zu verarbeiten, als 1988 der Ölpreis stark fiel. Auch heute ist die Abhängigkeit von Ölpreis gegeben:
imageHandelsbilanz in Prozent zum BIP
Datenquelle: Statistics Norway, Grafik: Guido Lingnau
image Datenquelle: Statistics Norway, BP, Platts, Comdirect, eigene Berechnungen
Grafik: Guido Lingnau

Auch der norwegische Immobilienmarkt unterscheidet sich von dem anderer, vor allem europäischer Länder. In Norwegen liegt die Eigentümerquote schon bei den Haushalten mit einem Haupteinkommensbezieher von unter 25 Jahren bei über 60 Prozent und steigt dann relativ gleichmäßig auf 90 Prozent für die Altersgruppe der 45- bis 66-jährigen an. Zahlen für die Ausgaben der Norweger für die Bildung von Wohneigentum nach Alter waren leider nicht verfügbar.
Demografisch gesehen, befindet sich Norwegen – wie derzeit auch China, Australien, Schweden und die Schweiz - in der Phase, in der die USA zuletzt und Finnland, Schweden und Japan Anfang der 1990er Jahre ihre Bankenkrise hatten: Die Babyboomer, bzw. die derzeit stärkste Altersgruppe ist vor kurzem 40 Jahre alt geworden:
image Datenquelle: US Census Bureau
Grafik: Guido Lingnau
Die Geburtenentwicklung in Norwegen war in den letzten 20 Jahren relativ konstant. Vor allem durch eine hohe Einwanderung stieg die Einwohnerzahl. Einen starken Geburtenrückgang gab es dagegen ab 1969. Im Jahr 1973, also vor 38 Jahren, waren es bereits 10 Prozent weniger Geburten und bis 1977 gingen die Geburtenzahlen noch einmal um 7 Prozent zurück. In anderen europäischen Ländern war in dieser Zeit der Geburtenrückgang jedoch deutlich höher.
imageDatenquelle: Statistics Norway, Grafik: Guido Lingnau
Nimmt man an, dass die Ausgaben für die Bildung von Sachvermögen wie in Deutschland oder den USA auch in Norwegen kurz vor dem 40. Geburtstag den Höhepunkt erreichen, würden sich diese Ausgaben insgesamt in Norwegen ab jetzt langsam rückläufig entwickeln, denn die norwegischen Babyboomer sind jetzt knapp über 40 Jahre alt.
Noch halten vor allem der Herdentrieb und die niedrigen Zinsen sowie die recht hohe Einwanderung die Nachfrage nach Immobilien hoch. Die demografisch bedingte Nachfrage fällt jedoch in den kommenden Jahren weiter und die Verschuldung der Haushalte lässt sich auch nicht ins Unermessliche steigern. Irgendwann wird der Preisanstieg zu einem Ende kommen und eine gewaltige Bankenkrise könnte die Folge sein.

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